Warum gibt es fürs FSJ weniger Taschengeld als fürs FÖJ?

Wer in Berlin ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) macht, erhält fast doppelt so viel Taschengeld wie Freiwillige, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. Das ist ungerecht und muss endlich angepasst werden. Schließlich ist das auch ein erklärtes Ziel der neuen Engagementstrategie des Senats.

In einer aktuellen Antwort auf eine schriftliche Anfrage der CDU rechnet der Senat die Ungleichbehandlung der Freiwilligendienstleistenden schwarz auf weiß vor: Im FSJ gibt es derzeit zwischen 250 und 300 Euro Taschengeld für die Freiwilligen, steht dort. Seit 2017 gab es hier keine wesentlichen Steigerungen. Im FÖJ gibt es mittlerweile 510 Euro Taschengeld, es wurde 2018 und 2020 jeweils aufgestockt.

Ein FÖJ darf nicht attraktiver sein als ein FSJ

Woran liegt das? Wer ein FÖJ anbietet, erhält vom Land Berlin rund 10.000 Euro für jede_n Freiwillige_n im Jahr. Träger des FSJ erhalten in der Regel gar keine Förderung vom Land. Das hat zur Folge, dass Anbieter des FÖJ mehr Taschengeld zahlen können. Das finden wir extrem ungerecht. Der Berliner Senat befeuert so eine Konkurrenz zwischen den Freiwilligendiensten. Daher fordern wir gleiche Bedingungen für die anderen Freiwilligendienste. Für Jugendliche ist es sonst natürlich immer attraktiver, ein Ökologisches Jahr zu machen, da es dort bis zu doppelt so viel Taschengeld gibt.

Engagementstrategie will ohnehin gleiches Taschengeld für Freiwillige

Unter großer Beachtung hat Berlin vergangenen Dezember eine Engagementstrategie mit 100 Handlungsempfehlungen vorgelegt. Nummer 11 der Empfehlungen will die Freiwilligendienste stärken. Dort heißt es, es solle „durch eine öffentliche Zuwendung des Landes ein einheitliches Taschengeld für alle Freiwilligendienstleistenden“ ermöglicht werden. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die Senatskanzlei können jetzt zeigen, dass ihnen soziales Engagement ebenso wichtig ist wie ökologisches.

Über unser FSJ-Programm:
Seit 2010 vermitteln wir jedes Jahr 40 junge Berliner_innen in ein Freiwilliges Soziales Jahr in Jugendverbänden, Jugendbildungsstätten und anderen Trägern der Jugendarbeit. Über 70 Prozent der ehemaligen FSJler_innen arbeiten später im sozialen Bereich. Das FSJ ist somit ein guter Weg, dem Fachkräftemangel in der sozialen Arbeit entgegenzuwirken.

Das FSJ-Projekt wird gefördert aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) sowie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.