15 Forderungen für gutes Wohnen junger Menschen: Jugendwohnkongress 2024

Wie verbessert sich die Wohnsituation für junge Menschen in Berlin? 15 Forderungen haben junge Menschen beim Jugendwohnkongress für Berlin gesammelt. Die Ergebnisse aus Workshops und Diskussionen haben sie an die Politik übergeben.

"Wir wählen euch - ihr setzt um. Hört auf uns!" Mit dieser Forderung beginnt das Manifest von rund 50 Teilnehmenden, die Anfang Mai beim Jugendwohnkongress für Berlin im Haus der Kulturen der Welt zusammenkamen. Das Thema Wohnen bereitet jungen Menschen in der Hauptstadt heute Kummer, Angst und Sorgen. Mieten wie Nebenkosten steigen seit Jahren so horrend, dass junge Menschen oft schlicht kein Zimmer mehr finden, das sie sich leisten können. Viele sind stark auf den Rückhalt des Elternhauses angewiesen. Und das in einer Lebensphase, in der man auf eigenen Beinen stehen möchte, häufiger die Wohnung wechseln muss oder für die Ausbildung neu in die Stadt kommt.

Wohnen als Menschenrecht?

Was wäre, wenn alle Menschen ein Recht auf geeigneten Wohnraum hätten? Hilft nur noch ein Wohnberechtigungsschein vor Diskriminierung auf dem Mietenmarkt? Und wie klappt nachhaltiges Wohnen? Mit solchen und vielen weiteren wichtigen Fragen konnten sich die Jugendlichen beim Jugendwohnkongress in Fachforen beschäftigen - und ihre Haltungen und Meinungen am Nachmittag mit kreativen Methoden beim Modellbau, Comic-Zeichnen oder Podcast zum Leben erwecken.

Faire Mieten, kein Leerstand, keine Miet-Haie

Im Laufe des Tages ist ein Manifest entstanden, das 15 Forderungen junger Berliner_innen vereint. Der Wunsch nach einem funktionierenden Mietendeckel und fairen Mieten steht dabei fast ganz oben. Das ist wenig überraschend, zeigt aber auch, das die Politik auf dem Gebiet zu wenig bewirkt hat, damit junge Menschen sich sorgenfreier auf dem Mietmarkt bewegen können. Auch der Wunsch nach Gemeinschaftsflächen und -räumen ist groß. Leerstand müsse bekämpft werden, damit es mehr Miet- und Wohnräume gibt, Luxus-Immobilien sollen nicht auf dem Rücken anderer entstehen.

Mehr Schutz, weniger Diskriminierung

Immer wieder geht es im Manifest auch um Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Ein Lösungsvorschlag ist ein zentrales, faires Wohnungsportal, auf dem anonym Bewerbungen auf freie Wohnungen abgegeben werden können. Denn Name, Herkunft oder Alter dürfen nicht darüber entscheiden, wer eine Mietwohnung bekommt und wer nicht. Mieter_innen sollen auch besser über ihre Rechte und Pflichten informiert werden. Abhilfe könnte ein verpflichtender Aushang in allen Hausfluren sein, schlagen die Jugendlichen vor.

Die Verunsicherung über eigene Rechte zum Beispiel im Fall einer Kündigung oder der Umwandlung der eigenen Wohnung in Eigentum ist oft groß. Dabei kann Aufklärung unterstützen. Es brauche aber auch effektiven Schutz vor dem Verlust von Wohnraum. Dabei sollten staatliche Stellen und gemeinnützige Organisationen bessere Unterstützung in Wohnungsnotlagen anbieten.

Staatssekretär nimmt die 15 Forderungen entgegen

Am frühen Abend wurde dann Tacheles geredet: Die Visionen zur Wohnungsfrage der jungen Menschen standen in Präsentationen im Fokus. Die Ergebnisse wurden dann Jugendstaatssekretär Falko Liecke übergeben. Denn schließlich ist die Politik am Zug, die Stimmen junger Menschen und ihre Sorgen, Ideen und Forderungen ernst zu nehmen und ihre Lage zu verbessern.

Zahlreiche Studien belegen, dass sich junge Menschen von der Politik heute zu wenig gehört und beachtet fühlen. Die Ergebnisse des Jugendwohnkongresses sind eine Steilvorlage an die Politik, um dagegen zu steuern. Wohnen ist eines der zentralen Themen für junge Menschen, das in der in Erarbeitung befindlichen Jugendstrategie des Berliner Senats einen wichtigen Platz einnehmen muss. Gerade in Zeiten von Wahlalter 16 in Berlin ist es wichtig, junge Menschen ernstzunehmen und ihnen gute Angebote zu machen. Denn die nächste Wahl kommt bestimmt - und das Thema Wohnraum brennt jungen Menschen auf den Nägeln.

Bilder vom Jugendwohnkongress für Berlin

Alle Fotos: © Malte Seidel / VG-Bild

Veranstalter

Ev. Akademie Berlin und TROTZDEM Logo

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