Tür mit Aufschrift "Büro", daneben ein Erste-Hilfe-Kasten, offene Stromleitungen und ein Schild auf dem "Because I'm worthless / Weil ich wertlos bin" steht

Unsaniert und unterfördert: Jugendarbeit braucht mehr Mittel

Berlin, 01.09.2026 | Über 480 Orte, rund 300.000 erreichte Kinder und Jugendliche: Die 37 Mitgliedsverbände des Landesjugendring Berlin sind eine tragende Säule der Berliner Jugendarbeit. Doch diese Säule ist strukturell unterfinanziert. Der Landesjugendring Berlin fordert deshalb 20 Prozent mehr Förderung für Jugendverbände, mehr Geld für Ferienreisen und zusätzlich ein Investitionsprogramm für marode Jugendclubs und Jugendbildungsstätten in der Stadt. Es sind drei von zehn Forderungen zur Berlin-Wahl. 

Wände von 1928, ständige Heizungsausfälle im Winter, Räume, die höchstens 12 bis 15 Grad warm werden: So beschreibt der Pankower Jugendclub OC23 seinen Alltag. Kein Einzelfall: Rund 400 Jugendclubs unterschiedlicher Träger gibt es in Berlin, 61 Prozent von ihnen sind laut Landesjugendförderplan 2024–2027 der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sanierungsbedürftig. „Jugendeinrichtungen sind keine Kür, sie sind Grundausstattung dieser Stadt“, sagt Tilmann Weickmann, Geschäftsführer des Landesjugendring Berlin. Darum fordert der Landesjugendring Berlin ein Investitionsprogramm für Jugendfreizeiteinrichtungen und Jugendbildungsstätten aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaschutz" des Bundes, verbunden mit mehr Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Digitalisierung.

Sanierungsstau ist nur ein Symptom eines größeren Problems: der strukturellen Unterfinanzierung der Jugendverbandsarbeit. Seit 2020 stieg der Verbraucherpreisindex um 18,8 Prozent, die Förderung der Jugendverbände blieb nahezu gleich. Die Folge: Teilnahmebeiträge für Angebote wie Ferienfreizeiten sind in Berlin laut Zahlen des Deutschen Bundesjugendrings seit 2024 im Schnitt um 18 Prozent gestiegen. „Gleichbleibende Förderung bei steigenden Preisen ist faktisch eine Kürzung“, sagt Weickmann. Der Landesjugendring Berlin fordert daher für die 37 Berliner Jugendverbände eine Erhöhung der Förderung um mindestens 20 Prozent sowie eine jährliche Anpassung an die Inflation.

Auch bei Ferienreisen und internationalen Begegnungen bleibt Berlin hinter seinen eigenen gesetzlichen Vorgaben zurück: Nur 44 Prozent der Erholungsfahrten und internationalen Begegnungen, zu denen sich das Land verpflichtet hat, werden tatsächlich finanziert. Den größten Teil der Fahrten stemmen die Jugendverbände. Ein Beispiel: Die jährliche Sommerferienfahrt der Schreberjugend Berlin nach Hannesried in Bayern kostet heute 519 Euro für drei Wochen, 2022 waren es noch 420 Euro. Das ist ein Anstieg um fast ein Viertel. „Wer Jugendverbände ernst nimmt, finanziert ihre Ferienreisen, so wie es im Gesetz steht“, sagt Weickmann. Der Landesjugendring Berlin fordert daher, allein die Förderung von Ferienreisen und internationalen Begegnungen um 1 Million Euro zu erhöhen. Es wäre ein erster Schritt auf dem Weg zur vollständigen Erfüllung der gesetzlichen Pflicht.

Ob marode Jugendclubs, teure Ferienfahrten oder eine Förderung, die nicht mit der Inflation mithält: Die Jugendverbandsarbeit in Berlin trägt seit Jahren strukturelle Lasten, die eigentlich das Land tragen müsste. „Über 300.000 Kinder und Jugendliche an mehr als 480 Orten in Berlin erreichen die Jugendverbände. Diese Arbeit braucht endlich eine verlässliche Finanzierung, keine Nachbesserungen in letzter Minute“, sagt Weickmann. Der Landesjugendring Berlin erwartet von den Parteien klare Antworten zu seinen Forderungen.

Über die Forderungen von „#WasFürUns: Berlin-Wahl ab 16“

Am 20. September 2026 wählt Berlin. Zum ersten Mal gilt Wahlalter 16. Etwa 780.000 junge Menschen zwischen 6 und 27 Jahren leben in Berlin. Das sind 21 Prozent der Stadtbevölkerung. Ihre Perspektiven spielen in der Politik leider zu selten eine Rolle. In den kommenden Wochen stellt der Landesjugendring Berlin daher seine jugendpolitischen Forderungen vor. Die 10 Forderungen wurden von 37 Berliner Jugendverbänden beschlossen, die zum Landesjugendring Berlin gehören. Die Themen: Wohnen, Mobilität, Jugendverbände und politische Bildung, Ehrenamt und die fehlende Jugendstrategie für Berlin.

Pressekontakt

David Spitzl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landesjugendring Berlin

David Spitzl
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