Werbeschild für Büroflächen, Aufschrift "Genug Platz für Bürostuhlrennen"

Kein Wohnraum für junge Menschen: Berlin braucht dringend eine Jugendquote

Berlin, 18.08.2026 | Wohnungsunternehmen sollen verpflichtet werden, 10 Prozent ihrer Wohnungen ausschließlich an junge Menschen zu vermieten. Die maximale Warmmiete darf dabei 9,92 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten. Wohnraum bleibt sonst für zu viele junge Menschen unbezahlbar. Dazu braucht Berlin ein Azubiwerk nach Münchner Vorbild. Es sind zwei von zehn Forderungen, mit denen sich der Landesjugendring Berlin ab heute in den Wahlkampf zur Berlin-Wahl einmischt.

Wer jung ist, hat es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer: Ein WG-Zimmer in Berlin kostet aktuell 650 Euro im Schnitt. Auszubildende, Studierende und Berufseinsteiger*innen haben oft nur geringe finanzielle Ressourcen, prekäre Jobs, unsichere Einkommensperspektiven und sind dazu oft neu auf dem Wohnungsmarkt. „Wir brauchen jetzt sofort eine Lösung, die junge Menschen schneller mit bezahlbarem Wohnraum versorgt“, sagt Tilmann Weickmann, Geschäftsführer des Landesjugendring Berlin. „Dafür brauchen wir eine Jugendquote.“

Öffentliche und private Wohnungsunternehmen sollen verpflichtet werden, eine Jugendquote von 10 Prozent bei der Wohnraumvergabe einzuhalten, fordert der Landesjugendring Berlin. Das entspricht dem Anteil der 18- bis 26-Jährigen an der Berliner Gesamtbevölkerung. Die Warmmiete darf dabei nicht mehr als ein Prozent des BAföG-Höchstsatzes pro Quadratmeter betragen. Aktuell wären das 9,92 Euro. Der Landesjugendring Berlin versteht seinen Vorschlag als Diskussionsangebot an die künftige Landesregierung.

Das Land muss auch dafür sorgen, dass das Studierendenwerk mehr Wohnheimplätze anbieten kann: Aktuell warten Studierende bis zu 18 Monate auf einen der gerade einmal 9.000 Plätze. Und das bei 170.000 Studierenden in der Stadt. Für Auszubildende ist die Lage sogar noch dramatischer: Für sie gibt es nicht einmal eine vergleichbare Einrichtung. Berlin muss daher ein Azubiwerk nach Münchner Vorbild aufbauen, fordert der Landesjugendring Berlin. Dort gibt es bereits über 1.000 Wohnheimplätze für Auszubildende. Apartments kosten ab 292 Euro, das Azubiwerk wird von der Stadt unterstützt. München geht sogar noch weiter: Eine „Umbauagentur“ soll leerstehende Büroflächen in Wohnraum umwandeln. Auch in Berlin stehen rund 2 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. Hier könnte Wohnraum für junge Menschen entstehen.

Seit Juli gibt es in der Hauptstadt zwar das „Berliner Azubiwohnen“. Dort stehen aber aktuell gerade einmal 154 Plätze für 340 Euro Miete zur Verfügung. „Das Berliner Modell ist ein richtiger erster Schritt“, sagt Weickmann. München zeige aber auch: Eigens für Azubis gebaute Wohnanlagen für spürbar günstigere Preise sind möglich. „Berlin muss massiv Wohnraum für alle junge Menschen bereitstellen“, so Weickmann. Denn: „Wer kein Zuhause findet, kann auch nicht bleiben. Und fehlt Berlin dann in Zukunft.“

Über die Kampagne „#WasFürUns: Berlin-Wahl ab 16“

Am 20. September 2026 wählt Berlin. Zum ersten Mal gilt Wahlalter 16. Etwa 780.000 junge Menschen zwischen 6 und 27 Jahren leben in Berlin. Das sind 21 Prozent der Stadtbevölkerung. Ihre Perspektiven spielen in der Politik leider zu selten eine Rolle. In den kommenden Wochen stellt der Landesjugendring Berlin daher seine jugendpolitischen Forderungen vor. Die 10 Forderungen wurden von 37 Berliner Jugendverbänden beschlossen, die zum Landesjugendring Berlin gehören. Die Themen: Wohnen, Mobilität, Jugendverbände und politische Bildung, Ehrenamt und die fehlende Jugendstrategie für Berlin.

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