Debatte um Pflichtdienst: „Ein Zwangsdienst ist der falsche Weg“

Wieder einmal wird ein sozialer Pflichtdienst für junge Menschen debattiert. Wir finden: Eher sollten die bestehenden Freiwilligendienste ausgebaut werden. Im Meinungsartikel in der B.Z. erklärt unsere FSJ-Referentin Lisa Heiduck unsere Position.

Den Beitrag veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der B.Z.

Man kann fast die Uhr danach stellen: Pünktlich zum Sommerloch keimt auch in diesem Jahr wieder einmal die alte Debatte um einen Pflichtdienst für junge Menschen auf. Diesmal hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Thema aufgebracht. Für uns als Landesjugendring Berlin ist klar: Ein Zwangsdienst ist unnötig, denn Engagement kann nicht erzwungen werden. Es ist auch eine Debatte, die in die freie Entscheidung junger Menschen eingreift, ohne sie selbst dazu gefragt zu haben. Geführt wird sie zumeist von älteren Erwachsenen, die über die Köpfe von jungen Menschen hinweg entscheiden wollen, was gut für sie ist.

Lieber Freiwilligendienste ausbauen

Jedes Jahr haben wir mehr Bewerbungen für unser FSJ-Programm als wir Plätze vergeben können. Wir sollten daher eher darüber diskutieren, wie wir das Engagement in den bestehenden Freiwilligendiensten ausbauen können, statt neue Pflichtdienste zu schaffen. Jugendliche können sich einen Freiwilligendienst heute kaum ohne die Unterstützung der Eltern leisten. Dabei sollte es eigentlich kein Privileg sein, sich freiwillig engagieren zu dürfen. Die Freiwilligendienstleistenden brauchen mehr Taschengeld, ein kostenloses ÖPNV-Ticket und günstigen Wohnraum. Der Dienst sollte ihnen Vorteile beim anschließenden Studium oder der Ausbildung bringen. Ein Pflichtjahr würde an diesen Zuständen wohl nichts verbessern.

Selbstbestimmung stärken statt Pflichtdienst anordnen

Junge Menschen entscheiden sich in den bestehenden Freiwilligendiensten ganz bewusst für ihre Einsatzstelle. Sie sammeln dort wichtige Erfahrungen und Kenntnisse und können sich beruflich orientieren. Ganze zwei Drittel der FSJler_innen, die über uns ihren Dienst in der Berliner Jugendarbeit leisten, entscheiden sich danach für ein Studium oder einen Beruf im sozialen, pädagogischen Bereich. Das stärkt das Gemeinwohl mehr, als es jeder Pflichtdienst könnte. Während der gesamten Pandemie haben sich junge Menschen stark zum Wohle gerade älterer Menschen eingeschränkt und eigene Bedürfnisse hinten angestellt. Sie jetzt zu einem Pflichtdienst zu verdonnern ist der falsche Weg. Vielmehr sollte man ihre Selbstbestimmung stärken. Und dafür muss der Dienst bleiben, was er heute ist: Freiwillig.

Lisa Heiduck ist Referentin für das Freiwillige Soziale Jahr beim Landesjugendring Berlin. Seit 2010 vermittelt der Landesjugendring jedes Jahr 40 Freiwillige in Jugendverbände, Jugendbildungsstätten und andere Träger der Jugendarbeit. Aktuell kann man sich wieder für ein FSJ bei uns bewerben.

Alle Infos: www.ljrberlin.de/fsj