Ausgebremste Jugend: Auf dem Radweg wie beim Ehrenamt
Berlin, 25.08.2026 | Junge Menschen bewegen sich vorwiegend zu Fuß, mit Fahrrad und E-Roller oder dem ÖPNV fort. Doch Berlin verschlechtert fortlaufend ihre Mobilität. Gleichzeitig müssen junge Ehrenamtliche ihr Deutschlandticket selbst finanzieren und zahlen beim fehlenden Verdienstausfall drauf. Der Landesjugendring Berlin fordert daher vor der Berlin-Wahl sichere Radwege und bessere Bedingungen für junges Engagement.
Radwegausbau gestoppt, Tempo 30 einkassiert, Mobilitätsgesetz geschwächt: Berlin blockiert seine eigene Verkehrswende. Leidtragend sind dabei vor allem junge Menschen. Sie müssen sich vorwiegend auf lückenhaften, schlecht gewarteten und häufig blockierten Radwegen bewegen. „Wir brauchen endlich einen durchgängigen Radwegausbau“, sagt Tilmann Weickmann, Geschäftsführer des Landesjugendring Berlin. „Kinder und Jugendliche werden im Straßenverkehr zu wenig geschützt.“ Laut aktuellen Zahlen der Polizei wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 332 Kinder im Berliner Verkehr verletzt, ein Kind starb bei einem Unfall.
Ausgebremst werden junge Menschen zudem beim Ehrenamt: Wer sich engagiert, zahlt beim ÖPNV oft drauf, statt entlastet zu werden. In Berlin gibt es 2.806 Engagierte, die die Jugendleiter*innen-Card „Juleica“ haben. 65 Prozent von ihnen sind zwischen 16 und 22 Jahren alt. Viele von ihnen nutzen das Deutschlandticket und fahren damit quer durch die Stadt um Gruppen zu leiten, Veranstaltungen zu organisieren oder Ferienfahrten in ganz Deutschland zu betreuen. „Wer sich ehrenamtlich engagiert, sollte die 63 Euro im Monat fürs Deutschlandticket nicht selbst zahlen müssen“, sagt Weickmann. „Es kann nicht sein, dass Jugendleiter*innen dafür 765 Euro im Jahr ausgeben. Sie brauchen ein kostenloses Ticket.“
Auch wer sich für sein Ehrenamt in der Jugendarbeit vom Arbeitgeber freistellen lässt, zahlt in Berlin aktuell drauf: Einen Anspruch auf Freistellung vom Job für das Leiten von Seminaren oder Ferienfreizeiten gibt es zwar, jedoch ohne Lohnfortzahlung. „13 von 16 Bundesländern erstatten ihren Ehrenamtlichen den Verdienstausfall. Berlin nicht“, sagt Weickmann. Der Landesjugendring Berlin fordert daher eine Berliner Regelung zur Erstattung des Verdienstausfalls. Gar keine Regelung gibt es nur in Berlin, Sachsen und im Saarland.
„Ob auf dem Rad oder im Ehrenamt: Wer jung ist, wird in Berlin gerade an zwei Stellen gleichzeitig ausgebremst und vergessen“, so Weickmann. „Auf beiden Feldern muss die Politik Lösungen anbieten, die die Bedingungen für junge Menschen verbessern.“
Über die Forderungen von „#WasFürUns: Berlin-Wahl ab 16“
Am 20. September 2026 wählt Berlin. Zum ersten Mal gilt Wahlalter 16. Etwa 780.000 junge Menschen zwischen 6 und 27 Jahren leben in Berlin. Das sind 21 Prozent der Stadtbevölkerung. Ihre Perspektiven spielen in der Politik leider zu selten eine Rolle. In den kommenden Wochen stellt der Landesjugendring Berlin daher seine jugendpolitischen Forderungen vor. Die 10 Forderungen wurden von 37 Berliner Jugendverbänden beschlossen, die zum Landesjugendring Berlin gehören. Die Themen: Wohnen, Mobilität, Jugendverbände und politische Bildung, Ehrenamt und die fehlende Jugendstrategie für Berlin.
- Alle 10 Forderungen im Überblick: ljrberlin.de/wahl2026/forderungen
- Schwerpunkt zur Berlin-Wahl: ljrberlin.de/wahl2026