Landesjugendring Berlin feiert 70. Jubiläum im Frannz Club

Am 3. September 1949, also vor 70 Jahren, wurde der Landesjugendring Berlin als Zusammenschluss der Berliner Jugendverbände gegründet. Im Frannz Club feierten rund 180 Gäste das Jubiläum.

(c) Laessig / LJR Berlin. Zur Bildergalerie auf Facebook.

„Junge Menschen wollen Politik mitgestalten und mit entscheiden. Das ermöglichen und fördern die Jugendverbände, die im Landesjugendring zusammenarbeiten“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres in ihrem Grußwort den rund 180 Gästen aus Jugendverbänden, Fachöffentlichkeit, Politik und Verwaltung. Mit Schlaglichtern von der vielfältigen Arbeit der Jugendverbände machte Landesjugendring-Vorsitzender Marcel Hoyer einen Tag nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen deutlich: „In Jugendverbänden hat rechtsextremes Gedankengut keinen Platz. Und wir können sicher sein, dass Jugendverbände dagegen ankämpfen.“

"Langjähriges Engagement besser fördern"

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von drei thematischen Inputs aus Jugendverbänden geleitet: Kolja Schumann vom Bundesverband der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken berichtete davon, wie Zeltlager des Verbands seit über einem Jahrhundert zu Demokratiebildung junger Menschen beitragen. Seit Jahren gebe es allerdings Probleme, Betreuungsteams für die mehrwöchigen Ferienfreizeiten zusammenzustellen. Grund sei, dass sich junge Ehrenamtliche in Berlin nach wie vor nicht von Schule, Ausbildung und Studium für das Engagement freistellen lassen können. Es brauche zudem einen „Ferienschutz“ für Studierende in der Zeit der schulischen Sommerferien. Zustimmung bekam er von Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos: „Der Trend geht heute zum Kurzzeit-Engagement. Junge Menschen stehen unter hohem gesellschaftlichen Druck.“ Langjähriges Engagement müsse daher mehr gefördert werden, so Kühnert.

Inklusion gegen Rechtsextremismus

Gregor Podschun vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend stellte im nächsten Input das Bildungsprogramm „Talmidim – Mutig für Menschlichkeit“ seines Jugendverbands vor. Dabei werden junge Menschen für Diskriminierung sensibilisiert. Ein Blick in die Geschichte zeigte, dass die Arbeit gegen Rechtsextremismus dem Landesjugendring schon immer wichtig war: Auf der Höhe der Hakenkreuz-Schmierwelle 1960 rief der Zusammenschluss der Jugendverbände zur Demonstration am NS-Mahnmal auf. Es kamen 40.000 junge Menschen. Danny Freymark, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU Berlin betonte, sich gegen Rechtsextremismus einzusetzen sei Teil der DNA der CDU. „Die Frage ist, wie man demokratische Strukturen weiter stärken kann“. Juliane Kremberg, Vorstand des Landesjugendring, fügte hinzu: „Gedenkstättenfahrten in ehemalige NS-Konzentrationslager gehören seit Kriegsende bis heute zu Angeboten der Jugendverbände.“ Inklusion aller jungen Menschen sei heute eine ganz wichtige Funktion der Jugendverbände, um Ängste abzubauen. „Das können Jugendverbände besser leisten als Schulen“, so Kremberg.

Von McDonald's 1983 zu Fridays for Future 2019

Bei der Diskussion aktueller jugendpolitischer Themen darf die Klimabewegung „Fridays for Future“ nicht fehlen. Myriam Rapior von der BUNDjugend Berlin stellte die konsumkritischen Aktionen des Jugendverbands vor. Dazu zählen Kleidertauschpartys gegen Fast Fashion vor Primark-Filialen, konsumkritische Stadtführungen oder die Plastic-Attack, bei der Jugendliche Kund_innen vor Supermärkten den mitgekauften Plastikmüll vor Augen führen. In den 1980er Jahren sah die Arbeit zu kritischem Konsum des Landesjugendring noch anders aus: McDonald’s verklagte den Zusammenschluss der Jugendverbände auf Unterlassung zu 500.000 DM oder wahlweise Ordnungshaft, da sich der Landesjugendring negativ über die erste McDonald’s-Filiale in Berlin in einem Artikel geäußert hatte. Das löste aus heutiger Sicht vor allem Schmunzeln beim Publikum aus.

„Wie nachhaltig wir leben können, hängt heute viel zu sehr vom Geldbeutel der Leute ab“, hielt Alexander Fischer, Staatsekretär für Arbeit und Soziales fest. Auf Rapiors Frage ans Podium: „Was habt ihr vor, um die Welt zu retten?“ ließ sich allerdings wenig Konkretes aus den Reihen der Parteien heraushören. Einig war man sich allerdings darin, dass Appelle an das individuelle Konsumverhalten nicht ausreichend sein werden, um den Herausforderungen gerecht zu werden.

Feier mit Band, Ausstellung und Fotobox

Neben all diesen ernsten Themen zu Vergangenheit und Zukunft des Landesjugendring Berlin blieb trotzdem noch genug Raum, den 70. Geburtstag zu feiern: Mit der Live-Band „Wunderlich“, einer Ausstellung alter Berichte und einer Fotobox, in der man sich mit Pfadfinder_innen-Tuch oder Feuerwehrhelm verkleiden konnte, stimmten sich die Besucher_innen auf die Zukunft ein. „Jugendverbände werden immer Werkstätten der Demokratie bleiben. Und der Landesjugendring wird sich auch in Zukunft für bessere Förderung und Mitbestimmung junger Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen einsetzen“, wie Marcel Hoyer sagte.