DGB-Jugend: "Qualifizierte Jugendarbeit gibt’s nicht für ein Taschengeld"

„Wer an der Jugend spart, bezahlt später doppelt.“ Diese Erkenntnis ist ebenso weit verbreitet wie folgenlos. Seit einer Woche berichtet der rbb jeden Tag über die Konsequenzen fehlender Gelder für die Jugendhilfe. Die DGB-Region Berlin und die DGB-Jugend Berlin-Brandenburg fordern endlich Taten.

Zwei Brandbriefe hatten die Vorsitzenden der Jugendhilfeausschüsse (JHA) aller Bezirke (mit Ausnahme Neuköllns) im Zuge der Beratungen für den Doppelhaushalt 2014/2015 geschrieben, in denen sie auf die dramatische Unterfinanzierung der Jugendarbeit in den Berliner Bezirken hingewiesen hatten. Ihre bescheidene Forderung war ein Kürzungsmoratorium, also zumindest nicht weniger Geld. Gegenüber den Senatsplanungen wären das 11 Millionen Euro pro Jahr mehr gewesen. Das seien nicht einmal die Hälfte der Kosten, die der Flughafen BER in einem Monat verschlingt, rechnete der JHA-Vorsitzende aus Mitte, Florian Schwanhäuser in der Abendschau vom 02.02.2014 vor. Die Forderung der Bezirke wurde zwar von der Senatsbildungsverwaltung unterstützt, das Ergebnis war jedoch Null.

Dabei müssten eigentlich 10% des Berliner Jugendhaushaltes für Angebote der Kinder- und Jugendarbeit aufgewendet werden. In den vergangenen achtzehn Jahren wurden in den Berliner Bezirken aber nur 4 – 6 % dafür aufgewendet. Die Folgen sind immer weniger Angebote für Jugendlichen, ein rasant wachsender Arbeitsdruck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ämtern sowie prekäre Beschäftigungsbedingungen für die freien Träger, denen Aufgaben der Jugendhilfe übertragen werden. RBB-Inforadio hat diese Konsequenzen in letzte Woche anschaulich illustriert. Am kommenden Freitag, den 14.02.2014 haben die JHA-Vorsitzenden zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung unter dem Motto: „Ist die Jugendarbeit noch zu retten?“, eingeladen

Christin Richter, Abteilungsleiterin der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg und Heiko Glawe, Geschäftsführer der DGB-Region Berlin, fordern vom Senat einen Kurswechsel: „Qualifizierte Jugendarbeit gibt es nicht zum Taschengeld-Tarif. Die Mindestfinanzierung nach Sozialgesetzbuch VIII (10%-Klausel) gibt es aus gutem Grund und unterliegt nicht dem Wohlwollen des Finanzsenators. Wir begrüßen und unterstützen ausdrücklich, dass die JHA-Vorsitzenden auch nach der deprimierenden Haushaltsverabschiedung weiterhin Druck machen.“