„Ihr da oben macht doch sowieso was ihr wollt!“ – Wie Jugendliche in politische Prozesse einbezogen werden können

Unter diesem Titel hatten Landesjugendring Berlin und die Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik (Stiftung SPI) am 6.10.2014 zum Politischen Abend in das Konferenz- und Workshopzentrum SUPERMARKT geladen. Rund 60 Gäste waren der Einladung, über die Förderung der Beteiligung junger Menschen in unserer Stadt zu diskutieren, gefolgt.

Einblicke in das Ablauf des Abends ermöglicht die Bildergalerie unterhalb des Textes.

Wie ticken Jugendliche - bundesweit?

Dr. Gabriele Schambach von der SINUS-Akademie lieferte dafür den ersten Impuls unter der Überschrift „Wie ticken Jugendliche? Jugendliche Lebenswelten und (politische) Wertorientierungen“. Anhand ausführlicher und praxisbezogener Einblicke in jugendliche Lebenswelten, in Interessen und Wertvorstellungen, stellte Frau Schambach anschaulich die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten dar. Sie stellte den Ansatz der SINUS-Studien dar, Milieus zu beschreiben, die sich unter anderem durch unterschiedliche Wertvorstellungen und politische Interessen auszeichnen. Eindeutig zeigte sich dabei auch, dass sich junge Menschen – unabhängig von ihrem jeweiligen Milieu – für Politik interessieren. Eng beschriebene drei Spalten voller politischer Begriffe und Themen hat die Akademie aufgelistet, die Jugendliche  in den Gesprächen mit den Sozialforscher_innen benannte hatten. Fazit: Junge Menschen interessieren sich für politische Fragen, wenngleich sie das selbst gar nicht unbedingt als politisches Interesse beschreiben würden.Im Zusammenhang mit der Beteiligung junger Menschen an politischen Prozessen stellt sich daher die Frage, welche Formate und Rahmenbedingungen entwickelt werden müssen, um ausgehend von diesen Interessen  jungen Menschen unabhängig von Bildungshintergrund und Wertvorstellungen Partizipation zu ermöglichen.

Beteiligung in Berlin

Anschließend baute Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft die Brücke von der bundesweiten Studie nach Berlin. Sie stellte die vielfältigen Beteiligungsangebote vor, die in Berlin bereits bestehen. Und sie betonte drei entscheidende Aspekte, die aus ihrer Sicht wichtig sind für die Förderung der Partizipation von Jugendlichen: Bessere Informationen für Jugendliche über Mitbestimmungsmöglichkeiten, Freiräume, um die eigenen Interessen zu formulieren und eine auskömmliche Finanzierung der Jugendarbeit. Sie dankte den Veranstaltern und freut sich auf die weitere gemeinsame Behandlung des Themenfeldes.

Partizipation vor Ort

Im Nachgang hatte das Publikum die Möglichkeit, aus den jeweils eigenen Zusammenhängen kurze Schlaglichter auf Aspekte der Partizipation zu werfen. Dabei wurde die Frage der Anerkennung von Migrant_innenjugendselbstorganisationen ebenso angesprochen wie eine Veränderung in der Einstellung Erwachsener jungen Menschen gegenüber. Eine eigenständige, einmischende Jugendpolitik wurde gefordert und auch die Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse junger Menschen bei allen sie betreffenden – wie wir zuvor gehört haben – vielfältigen und manchmal vielleicht auch versteckten Themenfeldern. Erneut wurde in den Beiträgen aus dem Publikum deutlich, dass die Förderung der Partizipation junger Menschen vor allem bei den Erwachsenen ansetzen muss. Sie sind vor allem gefragt, sich auf jugendliche Lebens- und Ausdrucksweisen einzulassen und Entscheidungskompetenzen an junge Menschen abzugeben.  

get-together

Bei Getränken und einem kleinen Imbiss klang der Abend im Rahmen eines get-together aus. Die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen wurde rege genutzt und so war der Abend letztlich ein spannender und auch ein vielversprechender: Einer der neugierig macht, wohin die weitere Reise geht. Landesjugendring und Drehscheibe nehmen die Einladung, im Gespräch zu bleiben gerne an und freuen sich über den weiteren Austausch mit der Berliner Jugendsenatorin.